PASSETTO DI BORGO

Wussten Sie, dass es im Vatikan noch heute einen Geheimgang aus dem Mittelalter gibt?

Der Passetto di Borgo ist ein geheimer Fußweg, der die päpstliche Residenz im Vatikan mit der Engelsburg verbindet. Er ist 800m lang und entstand, um bei Gefahr schnell die Festung erreichen zu können.

Die Sarazenen und die Leoninischen Mauer

Im Jahr 852 errichtete Papst Leo IV. eine gut sechs Meter hohe Mauern aus Ziegelsteinen und Tufblöcken, die alten römischen Bauwerken entnommen wurden, um den Vatikan. Die Mauer hatte 44 Türme und 3 Tore. So entstand nach den Angriffen der Sarazenen, die den Petersdom geplündert hatten, die sog. „Leoninische Stadt“.

Der Passetto

Der Passetto wurde im Laufgraben der Mauer geschaffen, wahrscheinlich von Nikolaus III. Orsini ( ca. 1280), dessen Familie die Engelsburg besaß. Er verlegte den Sitz des Papstes vom Lateranspalast in den Vatikan, um sich eine Festung zu sichern. Die Engelsburg wurde aber erst ab dem 14. Jh. allein vom Papst genutzt.

Im 15. Jh. wurde der Laufgraben mit Zinnen versehen. Der Borgia Papst restaurierte ihn, und nutzte den Gang 1494 während des Einmarschs Karls VIII. von Frankreich.

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Die Plünderung Roms: als der Papst sich in Sicherheit brachte, indem er wie von der Tatrantel gestochen über den Passetto rannte.

Kaiser Karl V. Griff am 6. Mai 1527 die Stadt Rom an (gegen die antihabsburgische Allianz) und in seinen Truppen befanden sich auch deutsche Landsknechte (gegen den Papst gerichtete Protestanten).

Papst Clemens VII. rettete sich mit Höflingen und Adeligen, die ihn mit einem schwarzen Mantel bedeckten, damit sein weißes Gewand nicht zur beweglichen Zielscheibe würde. Währenddessen wurden die Schweizergardisten, die seinen Rückzug deckten, niedergemetzelt. Noch heute kann man an der Mauer die Einschläge der Armbrustgeschosse von diesen brutalen Angriff erkennen.

Die heutigen Öffnungen im Passetto: von Menschenströmen bis zum Automobilverkehr

Im 16. Jh. wuchs das Borgo-Viertel, in dem sich ein Krankenhaus, Kirchen, Klöster, Werkstätten, Tavernen und Herbergen befanden, über die Leoninische Mauer hinaus und man musste im Passetto Bögen öffnen. Viele von ihnen wurden von Pius IV. Medici mit seinem Wappen (6 Kugeln, sie sollen entweder Pillen darstellen und somit ein Wortspiel mit dem Namen Medici, dt. Ärzte, bilden, oder sie werden als Orangen gedeutet, die für den Handel mit dem Orient stehen) „unterschrieben“. Daher trägt eine der Straßen des Viertels den Namen „via delle Palline“ (Bällchenstraße). Den Passetto bewundert man am besten, wenn man sich zum Petersdom gewandtEs ist eine der wenigen Spuren, die das Regime noch hinterlassen hat, da die meisten nach dem 2. Weltkrieg entfernt wurden.

Wenn man dann am Passetto entlang der Via dei Corridori folgt, gelangt man zur Piazza Pia, an der sich eine Gedenktafel für die 1944 von den Nazis ermordeten Partisanen befindet. Letztlich verbindet sich der Passetto mit der Engelsburg.

Kann man den Passetto von innen besichtigen?

Der Passetto kann vom Museum der Engelsburg aus besichtigt werden. Geöffnet wird er allerdings nur für geführte Touren. Zurzeit wird er allerdings restauriert und es empfiehlt sich daher, ihn einfach von oben aus der Kuppel des Petersdoms oder von der Terrasse der Engelsburg zu betrachten.